Ein Text aus dem Corona-Lockdown.

OriginalHochdeutsch
Is des bei eich im Norden aa so? Is des eich aa afgfolln? Seit Corona wird übaroll Afrikanisches Essn angebotn.

I moan, i bin ja wos essn betrifft, so ungefähr allem Ausländischem aufgeschlossn, ob etzt Italienisch, griechisch, türkisch, indisch oder kinesisch, hamma ois scho gessn und zwar gern. Hob i zu meina Frau gsogt, des probiern mia aa amol beim Höhensteiger. Also, wenn i ehrlich bin, a bisserl skeptisch war i scho, weil i mogs ned, wenn mia nochm Essn de Finga so bappn. I mog zum Essn a gscheids Werkzeig, mia is nämlich scho efta erzählt worn, daß ma beim Afrikana mid de Finga essn muaß. Oba dann hob i mia gsogt, i bin Allem aufgeschlossn, also iß i aa amol mid de Finga, wenns sei muaß.

Übarascht war i dann scho, wia i de Speiskartn glesn hob. Gut bürgerlich, wia ma bei uns sogt, Schweinsbrotn, Zigeinaschnitzl und so ähnlich und Kasspotzn. Guad, Kasspotzn hoaßn ja eigentlich Käsespätzle und kemma aus Schwobn, genau gnumma aa ausm Ausland, oba ned aus Afrika. De Kasspotzn ham se bei uns wega de ganzn Vegetarier durchgsetzt. Oba des is nix fia mi, i sog mia imma, wennst koa Fleisch ned isst, wirst bled, siegt ma ja am Attila Hildmann.
Ist es bei euch im Norden auch so? Ist euch das auch aufgefallen? Seit Corona wird überall Afrikanisches Essen angeboten.

I meine, ich bin ja was essen betrifft, so ungefähr allem Ausländischem aufgeschlossen, Ob jetzt italienisch, griechisch, türkisch, indisch oder chinesisch, alles haben wir schon gegessen und zwar gern. Habe ich zu meiner Frau gesagt, das probieren wir auch einmal beim Höhensteiger. Also, wenn ich ehrlich bin, ein bisschen skeptisch war ich schon, weil ich es nicht mag, wenn mir nach dem Essen die Finger kleben. Ich will zum Essen ein richtiges Besteck, mir ist nämlich schon öfter erzählt worden, dass man beim Afrikaner mit den Fingern essen muss. Aber dann habe ich mir gesagt, ich bin Allem aufgeschlossen, also esse ich auch mal mit den Fingern, wenn es sein muss.

Überrascht war ich dann schon, als ich die Speisenkarte gelesen habe. Gut bürgerlich, wie man bei uns sagt, Schweinebraten, Zigeunerschnitzel und so ähnlich und Käsespätzle. Gut, Käsespätzle kommen aus Schwaben, genau genommen auch aus dem Ausland, aber nicht aus Afrika. Die Käsespätzle haben sich bei uns wegen all den Vegetariern durchgesetzt. Aber das ist nichts für mich, ich sag mir immer, wenn du kein Fleisch isst, wirst blöd, sieht man ja am Attila Hildmann.
I hob dann scho a Erklärung fia de gutbürgerliche Kich gfundn: Deitschland hod ja bis zum 1. Weltkriag in Afrika Kolonien ghabt. Hob i no in da Schul glernt und des hob i mia merkt: Namibia, Tansania, Togo und Kamerun. Und de Afrikana hamm dann aa de deitsche Kultur einschließlich Essn übanumma, teils wird durt aa no deitsch gredt und es gibt aa no deitsche Schuln. Und wenn so a Flüchtling, song ma amol aus Togo, noch Europa kimmt, wenn ers schafft, dann will er wahrscheinlich noch Deitschland, weil er do de Leit scho versteht.

Und dann hod mi oba no wos irritiert. Wie i nämlich an Blick ind Kich werfa hob kenna, hob i do drin koan oanzign Koch*in - da is etzt as gendern schwierig, wenn bei der weiblichen Form ausm o a ö wird. Hoaßts etzt Koch*in oda Köch*in. Oba dann waar ja a Mo a Köch. Also, i hob neamd gseng, der noch Afrika ausgschaut hod.
Ich hab dann schon eine Erklärung für die gutbürgerliche Küche gefunden: Deutschland hatte doch bis zum 1. Weltkrieg in Afrika Kolonien. Das habe ich noch in der Schule gelernt und das hab ich mir merkt: Namibia, Tansania, Togo und Kamerun. Und die Afrikaner haben dann auch die deutsche Kultur einschließlich Essen übernommen, teils wird dort auch noch deutsch geredet und es gibt auch noch deutsche Schulen. Und wenn so ein Flüchtling, sagen wir mal aus Togo, noch Europa kommt, wenn er es schafft, dann will er wahrscheinlich nach Deutschland, weil er da die Leute schon versteht.

Und dann hat mich aber noch etwas irritiert. Wie ich nämlich einen Blick in die Küche werfen konnte, habe ich in der Kücke keinen einzigen Koch*in, - da ist jetzt das gendern schwierig, wenn bei der weiblichen Form aus dem o ein ö wird. Heißt es nun Koch*in oder Köch*in. Aber dann wäre ja ein Mann ein Köch. Also, ich habe niemanden gesehen, der nach Afrika ausgesehen hat.
Oba wos solls, fix warns, des Essn war schnell fertig. Bschteck hamma koans dazu kriegt und essn hammas durt aa ned deafa.

Sog i zu meina Frau, "Des hättns glei song kenna, dass des a Essn zum midnehma is."

Sogt sie: "Host vor da Tia ned des Schildl geseng "Essen TO GO"? Oda host du tatsächlich gmoant, des waar a Essn noch am Rezept aus Togo?"

Und etzt frog i mi bloß, wia kumm ich noch Corona zum Afrikanischen Essn, wo i mi moralisch scho a so draf eigstellt hätt.
Aber was soll es, fix waren sie, das Essen war schnell fertig. Besteck haben wir keines dazu bekommen und essen durften wir es dort auch nicht.

Sag ich zu meiner Frau, "Das hätten sie gleich sagen können, dass das Essen zum Mitnehmen ist."

Sagt sie: "Hast du vor der Tür nicht das Schild gesehen "Essen TO GO"? Oda hast du tatsächlich gemeint, das wäre ein Essen noch einem Rezept aus Togo?"

Und jetzt frag ich mich nur, wie komme ich nach Corona zu einem Afrikanischen Essen, wo ich mich moralisch schon so drauf eingestellt habe.

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