"Wird Zeit dass ma wieda amoi an Betriebsausflug machan." Sagte der Broadmoa Gust im Gemeinderat. "Es muaß ja ned wieda a Wallfahrt sei, wia damals zu dem Bruada Tuck seina komischn Kapelln."

Die Kapelle wurde seinerzeit kurz nach der Wallfahrt von einem sommerlichen Hagelschlag so schwer beschädigt, dass sie aus den wirrtuellen Weiten des Internets verschwand. Bruder Tuck konnte nicht einmal mehr zu einem Gegenbesuch kommen. Auch wenn Bruder Tuck mit seiner Hausschwester und seinem Ministranten, mit denen er in häuslicher Gemeinschaft lebte, ein sehr komischer Heiliger war, so hatten doch alle ihren Spaß daran und deshalb stimmte man Gustls Vorschlag ohne Gegenstimme zu. Als Ziel der Reise einigte man sich auf die Deppublik Kürbistan, mit der ja Transvesting eine Partnerschaft eingegangen ist.

Man wusste zwar nicht genau, wo dieses Kürbistan liegt, da man es aber im äußersten Südosten Europas vermutete, war man sich einig, dass man nur mit dem Flieger in dieses Land gelangen könne. Nachdem das Reisebüro versicherte, dass die Hauptstadt Kürbing einen Flughafen besitze, war die Organisation der Reise kein Problem mehr.

"Mid Biertragln im Fliaga wirds schwierig", sagt der Broadmoa Gust, "da nimmt jeda von uns a hoibats von den teilbarn Tragln, des glangt dann scho zum Hifliang. Angeblich is ja as Pilzener as Lieblingsgetränk do unt in dera Deppublik, do füllt se a jeda sein Tragl zum Hoamfliagn wieda auf."

Die ersten Schwierigkeiten treten beim Einchecken auf: Flüssigkeiten dürfen nicht in den Flieger, schon gar nicht ins Handgepäck. Nach einer unschönen Diskussion bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als das Bier in den Autos zu depponieren. Mit dem Kommentar "Wer in eine Deppublik fliegt, kann auch sein Auto zum Bier-Deppo machen", macht sich Stefan Ring zum wiederholten Mal keine Freunde.

Auch wenn nach diesem Missgeschick den anderen Fluggästen die Toiletten fast ungehindert zur Verfügung stehen, sind die Folgen des Entzugs unübersehbar: Es macht sich ein typisch bayerischerer Grant breit, besonders beim Mümmelmann. Als CSU-Vorsitzender fühlt er sich für den gesamten Gemeinderat verantwortlich und so fragt er nach einigen Turbulenzen sehr aufgebracht den Piloten, ob er den Schlaglöchern nicht ausweichen könne. Bevor es aber zu größeren Konflikten kommen kann, setzt das Flugzeug zur Landung an und die Aussicht auf baldiges Pilzener kühlt die erregten Gemüter ab.

Selbstverständlich hat man auch nicht vergessen, den Besuch der Transvestinger beim kübistanischen Staatsoberhaupt anzukündigen. Und so ist auf dem Rollfeld ein roter Teppich ausgerollt und Staatsoberhaupt Dicktator Gottfried Mischer geht in freudiger Erwartung den Gästen entgegen. Dieses Mal hat Bürgermeister Egon Sattler schon im Vorfeld der Reise klargestellt, dass er das Gastgeschenk - wieder mal eine billige Reproduktion einer Votivtafel - überreiche.

Mischer, der eigentlich ein großzügiges Entwicklungshilfe-Projekt in Form eines Transrapids (er war der irrigen Meinung, "Transvesting" leite sich von "Transrapid" ab) hoffte, der die Eselbahn E1 von Kürbing nach Pumpkinn ersetzten sollte, lässt sich seine Enttäuschung nicht ansehen. Da nützt es auch nicht, dass ihn Altbürgermeister Josef Hirsch auf das kleine Logo der CSU rechts unten mit der Ergänzung hinweist, dass in der CSU die eifrigsten Verfechter des Transrapids zu finden sind.

"Etzt hamma oba ab Durscht, de in dem Fliaga lassn oam ja glatt vadurschtn. Wia schauts denn mid am gscheidn Bier, am kürbischen Pilzener aus, Herr dicka Tor - äh, Herr Diktator", meint der Letschn Toni. Und so werden die Gäste in die zu einem Gasthaus umgebauten Püramiden geführt, wo ihnen die kürbistanischen Spezialitäten serviert werden: Sockensuppe und Rostbraten. Dazu wird das unvermeidliche Pilzener gereicht. "Mei schmeckt des greislich!", bricht es aus dem prustenden Broadmoa Gust nach dem ersten Schluck Pilzener heraus. Und der Rest der Transvestinger Besucher gibt ihm unumwunden recht, nachdem sie vom Pilzener genippt haben. Auch das Fliegenpils stellt sich in der komischen Püramide als ungenießbar heraus, hätten sie doch lieber dorthin fahren sollen, wo es anständige Bieramiden gibt. Damit hätte die Reise eigentlich ihren Zweck schon verfehlt, wenn sich nicht der Schuasta Schorschi daran erinnert hätte, im Internet über Kürbistan gelesen zu haben, dass der Oberhirte der größten Glaubensgemeinschaft, der Römisch-Alkoholische Kirche, Metaxa der Dritte sei.
"Is nach dem ned a Weinbrand benannt?"
"Ja scho, wenn der oba bloß drei Stern hod."
"Is doch wurscht, Hauptsach Alkohol."

Nachdem Metaxa die erregten Gemüter beruhigt hat, waren die Gäste dazu zu bewegen, wenigstens die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen:

Die Schimmelscheibe war nichts anderes als eine alte, verbeulte Blechplatte, mit der Reichsbirne kann man keine Oma hinter dem Ofen hervorlocken, der Glühapfel erfülle die Norm einer Energiesparlampe in keiner Weise, und die Schokomotive stammte noch aus dem vorletzten Jahrhundert, die man nur deshalb aufgehoben hatte, weil sie zum Verzehr nicht mehr geeignet war. Kurzum, lauter Graffl, für das sich der weite Weg nicht gelohnt hat.

Bestätigt fanden sich die Besucher, als sie von der kübistanischen Staatsform hörten:"Der Dicktator regiert mit unumschränkter Macht. Er kann alleine alle Arten von Gesetzen beschließen."
"Ja, wia bei uns halt aa, bloß do hoaßt des Amt Buagamosta", waren sich alle einig. Lediglich Stefan Ring bekundete ganz vehement, dass er ein anderes Demokratieverständnis habe, aber den nimmt ja in Transvesting ohnehin keiner mehr ernst. Und weil man mittlerweile zu der Überzeugung gelangt ist, dass man politisch von Kürbistan doch eine ganze Menge lernen könne, klappert man auch noch die einzelnen Ministerien ab.

Dass es nur solche Arbeit geben darf, die man im Vollrausch gefahrlos ausüben kann, findet man geradezu genial. Ebenso zu begrüßen ist die Anonymität außerehelicher Affären, allerdings befürwortet man auch eine Ausdehnung auf den Zölibat. Und die Idee der Steuerfreiwilligkeit begeistert besonders die Unternehmer aus Transvesting, weil dadurch Schwarzarbeit nicht mehr notwendig wäre. Die Förderung des Bierkonsums durch eine Bierzulage wird als eine zu strenge Folter der Gesamtbevölkerung empfunden, die allerding dadurch relativiert wird, dass es sogar in Transvesting Leute gebe, die freiwillig Warsteiner trinken.

Nachdem jeder Glaube außer dem eigenen als Aberglaube gilt, interessiert sich von den Transvestingern keiner für die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Kürbistan. "Mia san katholisch und wenn a andana zu uns kimmt, wern man scho katholisch macha", ist die einhellige Meinung. Das Schweigen von Stefan Ring zu dieser Aussage beweist dessen Richtigkeit. Nachdem man sich recht lang in den Ministerien aufgehalten hat, ist es ohnehin an der Zeit, den Rückflug anzutreten. Von Dicktator Mischer wird den Gästen noch noch empfohlen ein kostengünstiges Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Er empfehle für 8 Kürbel (das ist die Währung in Kürbistan) den Erwerb einer Nervensäge.
"So oane hob i scho dahoam, in da Kich", meint der Schuasta Schorschi.
"Ja, wennst ned wieda de Kettn z'lang gmacht host", wirft ihm der Letschn Toni unter allgemeinem Gelächter entgegen.
Auf Pilzener als Reiseproviant verzichtet man aus verständlichen Gründen. Mit Metaxa deckt man sich jedoch zur Genüge ein. Mit dem Zoll sind bei der Einreise keine Schwierigkeiten zu befürchten, weil der Metaxa bis dahin mit Sicherheit vernichtet ist.

Auf dem Rückflug ist man sich einig (nur Stefan Ring muss natürlich wieder quer treiben), dass man politisch von Kürbistan noch viel abschauen könne. Und wenn deren Bier auch noch trinkbar wäre (in dem Fall stimmt sogar Stefan Ring zu), könnte man durchaus wieder mal einen Gemeindeausflug zu dem befreundeten Dicktator machen. Schließlich einigt man sich darauf, beim nächsten Besuch die Transvestinger Toleranz durch den ausschließlichen Genuss von Metaxa zu demonstrieren.

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