Als der folgende Text geschrieben wurde, hat man nur einenn Marx gekannt, und zwar den Kumpel von Engels. Der Marx, den man jetzt kennt, hat dies falsch verstanden, er hat gemeint, es heiße Marx und Engel und hat irgendwie verinnerlicht, dass sein Kumpel ein Engel wäre. Drum hat er als Kumpel von einem Engel Theologie studiert und ist Bischof geworden. Versetzen wir und die Zeit zrück, in der man bei Marx nur den vom Kapital kannte:

Pfarrer Lehner im Pfarramt.
Torsten Koopmann, ein Neubürger in Transvesting, kommt herein.


Koopmann: Guten Tag.

Lehner: Bei uns heißt das Grüß Gott.

K: Daran konnte ich mich noch nicht gewöhnen.

L: Und was führt Sie zu mir? In der Kirche lassen Sie sich ja nicht blicken.

K: Ja-a-a schon, aber ich möchte meinen Sohn taufen lassen.

L: Sie ihren Sohn? Ja, sind Sie denn überhaupt katholisch?

K: Sonst würd ich ja nicht zu Ihnen kommen.

L: Und Sie wollen mir glauben machen, dass Sie Ihren Sohn im Glauben erziehen wollen?

K: Das kann ja der Religionslehrer versuchen, wenn er mal getauft ist.

L: Na, gut. Wie soll er denn heißen, der kleine Erdenbürger?

K: Marx.

L: Also Maximilian. Ein schöner Name.

K: Nein, Marx.

L: Nur Max?

K: Nein, nicht Max, Marx. Marx, mit "r"

L: So wie der Erfinder vom Kommunismus? Da haben sie sich aber geschnitten, nicht bei mir, nicht in Transvesting, unserem schönen Wallfahrtsort.

K: Ja, wieso denn nicht, ist doch auch ein Name wie jeder andere.

L: Das ist kein Name wie jeder andere. Vor allem ist es kein Vorname. Ihr Kind braucht einen Vornamen. Vor Allem braucht ihr Kind einen Namenspatron.

K: Ja, eben, der heilige Marx.

L: Sie glauben, weil irgendwann mal ein Kabarettist ein Lied mit dem Titel "heiliger Marx" geschrieben hat, gibt es einen Heiligen Namens Marx?
K: Doch, schon.

L: Lieber Mann, lassen Sie sich sagen, Marx war ein Revolutionär und kein Heiliger.

K: In Wien gibt es aber einen Stadtteil mit einem berühmten Friedhof, der heißt St. Marx. Also muss es doch einen heiligen Marx geben.

L: Wo?

K: Da, ich hab einen Stadtplan von Wien dabei. Friedhof St. Marx, da ist übrigens auch das Grab von Mozart, oder Zentral Viehmarkt St. Marx. Das ist der Beweis.

An dieser Stelle befand sich in der Größe dieses Kastens ein Ausschnitt eines Wiener Stadtplans, der belegte, dass es in Wien einen Stadtteil St. Marx gibt.

Offenbar hatte ein Rechtsanwalt aus Hamburg zu viel Zeit, als er sich meinen Internetauftritt genauer angsah, aber nicht, weil er Spaß an Satire hatte, sondern weil er nach Stadtplänen suchte. Er fand den Ausschnitt eines 20 Jahre alten Plans, 1% des gesamten, der kostenlos auflag. Die Forderung wegen Urheberrechtsverletzung betrug 420 .

Es stimmte, ich hab mich der Verletzung des Urheberrechts schuldig gemacht. Moralisch fühle ich mich nicht schuldig, ich habe niemanden geschädigt, niemand kauft einen Stadtplan weniger, nur weil er auf meiner Seite sieht, wie er in den nicht mehr vorhandenen Zentralviehmarkt St. Marx kommt. Die Forderung war laut Anwalt um 100 überzogen, für ein entsprechendes Schreiben wollte der Anwalt 300 . Da In- und Output in keinem Verhältnis stand, hab ich den Gesamtbetrag gezahlt.

Ich finde es traurig, zu welchen Mitteln manche Rechtsanwälte greifen, wenn sie ihr Auskommen nicht auf anständige Weise verdienen können. Manchmal wünsche ich mir, an einen Gott glauben zu können, den ich um alles erdenklich Schlechte für diese Abzocker bitten könnte.

L: Da muss ich aber schon mal in meinem Verzeichnis der Heiligen nachsehen:
Maria in allen Variationen, Martha, Martin, Mathilde. Nix Marx. Da muss ich mich noch eingehend informieren.

K: Was haben da die frühen Christen gemacht, als sich noch kaum einer als Heiliger bewähren konnte, haben da alle den gleichen Namen gehabt? Und was macht heute einer, wenn er sein Kind nach einem heilig gesprochenen Papst benennen will? Heißt der dann Paul der 6. oder nur Paul, oder etwa der sechste? Jetzt weiß ich, warum es den Vornamen Sixtus gibt.

L: Mit Ihrer Einstellung zum Christentum bin ich mir da sowieso nicht sicher, ob es mit uns etwas wird.

K: Ja, warum denn nicht? Es geht doch nicht um mich, sondern um meinen Sohn. Der kann doch nichts dafür, wenn ich mich nie in der Kirche blicken lasse.

L: Ja, und warum wollen Sie ihr Kind taufen lassen, wenn Sie sowieso nicht glauben?

K: Ich will nicht, dass mein Sohn zum Außenseiter wird.

L: Und deshalb soll ich ihr Kind taufen. Mann, das ist doch kein Grund. Wenn Sie das Kind nicht im Glauben erziehen, wird das Kind nie ein guter Christ.

K: Ja, das ist mir dann egal.

L: So einfach ist das nicht.

K: Wieso? Das bisschen Wasser wird dem Kind nicht schaden.

L: Ja, wie reden Sie denn über das heilige Sakrament der Taufe?

K: Und wie reden Sie über den heiligen Marx?

L: Jetzt werden Sie aber unverschämt. So wie ich die Sache sehe, wird das Kind ohnehin, wenn es erwachsen ist, aus der Kirche austreten.

K: Ja, ich kann das Kind später ja wieder enttaufen, so mit Fön.

L: Das muss schon das Kind entscheiden.

K: Ja, dann kann er seinen Charakter beweisen. Und diese Chance will ich ihm nicht jetzt schon verbauen.

L: Ich glaube es ist besser, wenn Sie jetzt gehen. Warum sind Sie überhaupt noch nicht aus der Kirche ausgetreten?

K: Um Sie ärgern zu können.

L: Jetzt aber hinaus.

K: Ich geh ja schon. - Wiedersehen Herr Pfarrer.

L: Hoffentlich nicht mehr.

K: Da wär ich mir nicht so sicher.

L: Und ich werd bei dem da oben dafür sorgen, dass der nicht in den Himmel kommt.

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